Wasser - Erde - Ökologie


"Ursache eines menschengemachten Klimawandels ist vielmehr die irreversible, großflächige Zerstörung von verdunstungsfähiger, mit fruchtbaren Boden und Vegetation ausgestatteter Landschaft." (Zitat Ripl)

Der klagende Berg

Angelika Paul: Kienberg-Ansprache - 11. Januar 2014

Den Text hat mir der Kienberg übermittelt und mich gebeten, ihn zu verlesen.

Meine Damen und Herren,

ich, der Kienberg, gelegen zwischen den Gärten der Welt und dem lieblichen Wuhletal danke Euch für Euer Kommen und Eure Anteilnahme!

Ehrlich gesagt, stinkt es mir zum Himmel, was hier passiert. Mir hat man schon hunderte Bäume entrissen, darunter auch Eichen und Birken, die doch laut Versprechen der IGA Berlin 2017 GmbH hier gepflanzt werden sollten! Nach Akteneinsicht von Freunden soll nun der Eichelhäher die Eichen pflanzen.

Aber dieser wird vertrieben! Er kann nun sein Nest nicht mehr in den Baumkronen verstecken. Auch der Pirol wird mir "ade" sagen, denn er findet nun keine Ruhe mehr hoch oben in den Baumkronen, um dort zu brüten. Werde ich zuküftig die Nachtigall noch mit ihrem schmetternd-flötenden Gesang hören können? Sie wird vertrieben, weil mir mein dichtes Unterholz genommen wird. Und auch die Dorngrasmücke hat sich bei mir schon beschwert, weil Heckenrosen und Weiden und anderes dichtes Gebüsch verschwunden sind. Schwanzmeisenküken sind aus ihrem Nest gekullert, als ihr Nistbaum während der Brutzeit gefällt wurde.


Insgesamt habe ich hier 129 Brutpaaren ein Zuhause gegeben und etwa 1000 Piepmätze jedes Jahr aufwachsen sehen. Der Fuchs strich hier herum und fand das auch interessant. 55 der 93 Berliner Vogelarten haben hier genistet. Insgesamt beherbergt das Wuhletal an dieser Stelle zwei Drittel der Berliner Vogelfauna. Aber nun geht ihnen ihr Lebensraum verloren. Die Bodenbrüter wie Nachtigall, Zaunkönig und Rotkehlchen können sich nicht mehr verstecken, den Freibrütern wie Finken und Amseln fehlt das Gebüsch. Und die Höhlenbrüter? Hier hingen ja so viele Nistkästen! Sie verschwinden mit den Bäumen! Und so geht auch diesen Vögeln ihr Biotop verloren!

Es ist ein Jammer! Ich werde im Frühjahr das vielstimmige Gezwitscher vermissen und die Naturfotografen, die mich auf der Jagd nach einem Schnappschuss belagerten. Schüsse fallen hier höchstens nur noch, um Rehe zu töten. Ihr Blut schmeckt mir gar nicht. Vier Gruppen beherberge ich. Und sie können auch nicht abhauen. Sie kommen nicht durch den Zaun. Dieser hat keine Wildklappen, obwohl diese versprochen wurden. Rehe können zwar 6 Meter weit springen, aber nur 1,50 Meter hoch. Sie können also den Zaun, der oben auch noch mit fiesen spitzen Stacheln besetzt ist, nicht überspringen.

Ich vergesse nie die schönen Zeiten mit Euch, meinen menschlichen Freundinnen und Freunden, habe mich an Eurer Liebe und Zuneigung erwärmt, habe mich dankbar über Eure Aufforstungsarbeiten gezeigt, habe mir Mühe gegeben, die von Euch gepflanzten Bäume auf der dünnen Erdschicht wachsen zu lassen, habe auch viel Totholz gezaubert, um mehr Lebensraum zu bieten. Viele Rote Liste-Arten, also vom Aussterben bedrohte Arten, vor allem Käfer und Wildbienen, sind hier eingezogen. Und holzzersetzende Pilze, die ebenfalls bedroht sind, haben hier vorbeigeschaut und mir zugesagt, bei der Humusbildung zu helfen, damit der Schutt in meinem Bauch ganz dick zugedeckt wird. Seltene Moose haben sich darauf angesiedelt, aber sie werden nicht untersucht. Das ist eigentlich auch nicht wichtig; denn hier scheint ein rechtsfreier Raum zu sein, in dem die IGA Berlin 2017 GmbH machen kann, was sie will... Ich bin SEHR betrübt darüber.

Ökologisch gesehen, bin ich ein Wald – aber ohne staatliche Anerkennung. Dem Wuhletal geht es ähnlich. Es ist eigentlich ein natura 2000-Gebiet, aber ihm wird die offizielle Anerkennung versagt. Hier ist ein Paradies für Menschen, die sich erholen wollen, Pflanzen und Tiere entstanden. Und nun wird dies für eine halbjärige Schau zerstört! Ich bin empört!

In mir rumort es. Das alte Berliner Stadtschloss fürchtet, dass seine großen Brocken, die hier nach dessen Abriss gelagert wurden, durch die Rammen pulverisiert werden, die mit großer Wucht und Erderschütterungen den Boden verdichten sollen. Das braucht die Unglücks-Seilbahn für ihre Stützen. Die Ölfässer, der Krankenhausmüll, die Autowracks – alle werden ihre Schadstoffe bei solcher Behandlung ins Grundwasser abgeben. Noch nicht einmal die Gesundheit der Stadtbewohner spielt hier eine Rolle. Ist das wirklich ALLES egal??? Ich kann es kaum glauben!

Sogar meine schützende Grasnarbe wurde abgetragen. Und nun lasse ich alle Welt riechen, dass es mir zum Himmel stinkt! Ich gase meine giftigen Gase aus. Am Südfuß des Kienbergs, dort wo die Kienberg-Terrassen entstehen sollen, dort könnt Ihr es riechen! Wenn Ihr oben auf der Baustraße entlanglauft, die vom Biesdorf-Marzahner-Grenzgraben aus unsichtbar ist.

Der hiesige Umweltfrevel schreit zum Himmel! Nun bitte ich Euch: Glaubt NICHT, dass Ihr nichts mehr für mich tun könnt! Solches Gerede soll Euch nur entmutigen! Die IGA Berlin GmbH kämpft mit der Zeit; sie wird nicht rechtzeitg fertig mit den ganzen widerrechtlichen Einbauten und Schwarzbauten. Für über 100 Millionen Euro Steuergelder bekommt Ihr nur Halbgegartes zu essen, also ein zerstörtes Wuhletal und einen zerstörten Jelena-Santic-Friedenspark sowie einen Kienberg mit halbfertiger Schau. Diese kann hier auch ganz wegbleiben und stattdessen die für viele Millionen Euro gelungene Renaturierung mit dem Engagement der Anwohnerinnen und Anwohner den Gästen aus aller Welt präsentiert werden. Erzählt allen, die Ihr kennt und trefft von dem hiesigen Unrecht! Alles geschieht hier außerhalb der Gesetze! Das Wuhletal ist vor jeglicher Bebauung zu bewahren, steht im heute noch gültigen Landschaftsplan!

Seid kreativ! Denkt Euch Aktionen aus, macht Kunst mit mir! Euch fällt bestimmt noch viel ein – jeder aktiviert seine Fähigkeiten! Vielleicht hat jemand von Euch auch juristische Möglichkeiten. Kämpft um mich, das Wuhletal und den Jelena-Santic-Friedenspark! Es ist Euer Werk, das zerstört wird und es sind Eure biologischen Lebensgrundlagen, Euer natürliches Kapital für Eure Versorgung mit Nahrung, Wasser, Klimaregulation usw.,die vernichtet werden! Helft mit, dies zu verhindern! Ich hoffe, Ihr kommt bald wieder und werdet immer mehr!


Ich danke Euch für Euer interessiertes Zuhören!

Auszug aus www.berliner-gartentisch.net:

IGA Berlin 2017 schafft Arbeitsplätze im Bezirk
FALSCH

  • Bisher wurde nicht eine ortsansässige Firma mit Aufträgen versorgt.

  • Zur IGA Berlin 2017 werden nur Ehrenamtliche "rekrutiert" [IGA-Botschafter]

  • Laut Herrn Schmidt (Grün Berlin GmbH) ist kein Geld für die Schaffung von Arbeitsplätzen da.

  • Gäste lassen ihr Geld auf dem IGA Berlin 2017-Gelände.

  • Gastronomie und Geschäfte im Bezirk profitieren kaum davon.

Mehr zu diesem Thema:

Infos zum Projekt IGA 2017

 

Wertstoff Müll

http://www.ulrich-jochimsen.de

Verdunstungsfähige Landschaft

Von der FU-Berlin wird im Botanischen Garten ein Projekt zur Regenerierung von Kulturböden durchgeführt:

http://www.terraboga.de

Kleingartenanlagen lefern einem Beitrag zur Erhaltung verdunstungsfähiger Landschaft:

http://www.Infos-fuer-alle.de

Berlin hat relativ viele Parks, die mit naturnaher Flora und Fauna nicht nur zur Erholung und zur Freude der Bürger dienen,  sondern auch zu einem guten Stadtklima beitragen. Dies soll sich leider, scheibchenweise versteht sich, ändern. Z.B soll aus dem Kienberg (in Marzan/Hellersdorf) und seiner sehr natürlch gewordenen Umgebungsoll eine "moderne Natur" (im Disneystil) werden mit Seilbahn und sonstigen Attraktionen. Geplant ist zuerst die Bundesgartenschau 2017, die anschließend  zum Erholungsgebiet gegen Eintrittsgeld umfunktioniert wird. Wollen wir Berliner das? - Siehe nachfolgender Link:

http://www.berliner-gartentisch.net/IGA-2017-Berlin-Recherche/index.html#Inhalt

Anregung für eine nachhaltige Wasserwirtschaft:

Nachhaltige Wasserwirtschaft

Nach der Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe (BWB) eröffnen sich für Berlin neue Möglichkeiten

eine zeitgemässe Wasserwirtschaft einzuleiten. Zur Orientierung in diese Richtung haben wir nachfolgende

Rahmenrichtlinie erstellt.  Sie möge als konstruktiver Diskussionsbeitrag dienen:

Hier finden Sie die PDF-Datei Rahmenlichtlinie

Ohne Landwirtschafts-Industrie geht es besser.

Link zum Filmemacher Nils Aguilar und dessen  Film:

http://www.voicesoftransition.org